Mit dem Gangster-Thriller „Snatch“ liefert Regisseur Guy Ritchie einen
würdigen, wenn auch etwas kommerzieller ausfallenden Nachfolger seines
Debüt-Meisterwerks „Bube, Dame, König, grAs“ ab.
Um ein gutes Dutzend
schräger Vögel dreht sich die verzwickte Handlung von „Snatch“. Franky Four
Fingers (Benicio Del Toro) stiehlt in Antwerpen für seinen Boss, den Juden Avi
(Dennis Farina), einen 86 Karat schweren, lupenreinen Diamanten. Doch bei einer
Stippvisite in London wird Franky selbst überfallen – der edle Stein fällt in
die Hände des skrupellosen Russen Boris, die Klinge (Rade Serbedzija). Boss Avi
eilt flugs aus New York herbei, um den Edelstein mit Hilfe des Schlägers Tony
(Ex-Fußball-Profi Vinnie Jones) wieder zu beschaffen. Eher durch Zufall mischen
bald die beiden glücklosen Boxpromoter Turkish (Jason Statham) und Tommy
(Stephen Graham) auf der Jagd nach dem Diamanten mit. Doch eigentlich haben sie
ganz andere Probleme. Nachdem ihr Preisboxer Georgeous George (Adam Fogerty)
ausgefallen ist, setzt sie die brutale Branchengröße Bricktop (Alan Ford) unter
Druck. Der nuschelnde Zigeuner-Boxer Mickey (Brad Pitt) soll als Ersatz
einspringen. Doch der ist sehr eigenwillig...
Das labyrinthische Drehbuch
verlangt von den Zuschauern volle Konzentration. Wer diese aufbringt, wird
belohnt. Und zwar mit Ritchies unwiderstehlicher Mischung aus Härte, Witz und
Groteske, gepaart mit netten Regie-Einfällen. Eine Figur ist abgefahrener als
die andere, das Tempo wird auf hohem Niveau gehalten. Ritchie hat für jeden
Typen eine Charakterisierung parat, wenn auch in einer irrsinnigen
Geschwindigkeit. Nach dem starken Vorgänger konnte sich Ritchie, der in England
bereits eine Größe ist, seine Darsteller praktisch aussuchen. Und so reiht sich
Mainstream-Star Brad Pitt auch gut in das Ensemble ein. Bei allem Spaß, den
„Snatch“ macht, ist nicht zu übersehen, dass der Film wie eine etwas
Mainstream-lastigere Variante von „Bube, Dame, König, grAs“ wirkt. Der Vorgänger
war dementsprechend noch origineller und kompromissloser.
Diesen Artikel haben wir am Montag, 11. Januar 2010 in unseren Katalog aufgenommen.
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